Khmer-Tempel in Thailand

Fotos und Beschreibungen der zumeist wenig besuchten Tempel der Khmer in Nordostthailand

Das Zentrum der Khmer-Kultur liegt im westlichen Kambodscha mit dem Mittelpunkt Angkor. Während ihrer Ausbreitung im 9. und 10. Jh. n. Chr. stießen die Khmer im Osten und Nordosten auf die Cham und Viet aus dem späteren Vietnam, im Nordwesten, auf dem Gebiet des heutigen Thailand, auf die Mon aus Burma. Mit diesen Völkern lagen die Khmer in stetigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Vom 10. bis ins 13. Jh. konnten die Khmer ihre Herrschaft auf dem nordostthailändischen Khorat-Plateau behaupten, sogar bis zum  weiter östlich im Tal des Menam Chayo Praya liegenden Lopburi.

Als die Cham Ende des 12. Jh. Angkor eroberten, zogen sich die Khmer aufs Khorat-Plateau zurück, von wo aus Jayavarman VII. Anfang des 13. Jh. die Rückeroberung Angkors durchführte und damit die letzte Hochblüte der Khmer-Zivilisation einleitete.

Ab Mitte des 13. Jh. schwächte sich die Macht der Khmer ab, und zunehmend verdrängten die Mon und die von Norden einwandernden Thai die Khmer aus Thailand.  Das Kern-Reich der Khmer in Kambodscha bestand noch bis ins 16. Jh..

 

Vor allem in Nordost-Thailand, im sog. Isaan oder auch Isarn, finden sich zahlreiche Zeugnisse der Khmer-Kultur, von denen einige in den letzten Jahren und Jahrzehnten mit der Methode der Anastylose wieder rekonstruiert wurden.

Zwar sind sie deutlich kleiner als Angkor Wat, der Bayonne oder Ta Prohm in Angkor. Aber was sie besonders reizvoll für den Liebhaber der Khmer-Architektur und Kunst macht: Fast alle dieser Tempel liegen abseits der großen Touristenströme. Nur Phimai, Phanom Rung und Muang Tam werden häufiger besucht, aber auch hier hat man Ruhe, wenn man früh kommt oder spät am Nachmittag.

 

 

Die Reliefs

Die Reliefs der Tempel gehören sicher zu den faszinierendsten Hinterlassenschaften der Khmer. Die nordostthailändischen Khmer-Tempel weisen Reliefs in den Giebeldreiecken und auf den Türstürzen über den Haupteingängen auf, vereinzelt auch an den Tempeltürmen und Gebäudeecken. Die Motive entstammen dem Hinduismus und dem Buddhismus.

Hinduistisch ist das häufige Motiv des Gottes Shiva. Meist wird er als Shiva Nataraya, der tanzende Shiva, dargestellt. Der Tanz symbolisiert den stetigen Weltenlauf von Zerstörung und Erneuerung, den dieser Gott bewirkt. Shivas Tanz zerstört zudem die Unwissenheit, lindert die Leiden der Menschen und unterhält die Götter. 

Shivas Gemahlin ist die schöne Parvati, auch als Uma bezeichnet. Ihre dunkle Seite, zugleich wesentlicher Teil der Kraft Shivas, ist Durga oder Kali / Kala, die Schwarze, Göttin des Todes und der Zerstörung, aber eben auch der Erlösung und Erneuerung. - Shiva- und vor allem Kala-Motive sind sehr häufig Gegenstand der Tempelreliefs der Khmer. - Shiva reitet auf dem Bullen Nandi, dessen Darstellung sich ebenfalls in einigen Reliefs findet.

Andere oft dargestellte Hindu-Götter sind Vishnu, der Bewahrer, seine Inkarnation Krishna, und der Wettergott Indra. Häufig sieht man Motive des Ramayana, dem Hindu-Epos, das von der Entführung Sitas durch Ravana und ihre Rückeroberung durch Rama, Hanuman und das Affenheer handelt.

Buddha tritt in verschiedenen Mudras auf, oft meditierend unter der Naga, aber auch die Erde als Zeugen anrufend, dass er der Versuchung widerstand.

In Phimai z.B. finden sich sowohl hinduistische als auch buddhistische Motive an demselben Tempel.

Ein generelles Kennzeichen der Khmer-Skulptur, das mich seit meinem ersten Kontakt mit ihr fasziniert, ist das typische nach innen gekehrte Lächeln, das diese Gesichter oft zeigen, egal was die Dargestellten gerade tun oder erleiden.

 

 

 

 


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